Darf eine läufige Hündin in die Hundeschule oder zum Hundetraining kommen? Grundsätzlich ja – sofern die Trainingssituation sinnvoll organisiert wird und unkontrollierte Kontakte verhindert werden.

Gerade im Spürhundetraining, Rettungshundetraining und bei anderen arbeitenden Hunden kann es sogar sinnvoll sein, läufige Hündinnen bewusst ins Training einzubeziehen. Denn andere Hunde müssen lernen, trotz interessanter Gerüche konzentriert und arbeitsfähig zu bleiben.

Unser Grundsatz dabei ist einfach:

Was später kein Problem sein soll, muss vorher trainiert werden.

Warum werden läufige Hündinnen häufig vom Hundetraining ausgeschlossen?

„Mit einer läufigen Hündin kommt man nicht ins Training.“

Diese Regel findet man noch immer in Hundeschulen, Vereinen und Trainingsgruppen. Der Gedanke dahinter ist zunächst nachvollziehbar: Der Geruch einer läufigen Hündin kann insbesondere für intakte Rüden eine starke Ablenkung darstellen.

Die einfachste Lösung scheint deshalb zu sein, die Hündin während ihrer Läufigkeit vom Training auszuschließen.

Aus trainingsmethodischer Sicht sollte man diese Praxis jedoch hinterfragen.

Denn wenn Hunde später zuverlässig unter Ablenkung arbeiten sollen, müssen sie auch lernen können, mit genau solchen Reizen umzugehen.

Was passiert mit Rüden, wenn eine läufige Hündin anwesend ist?

Hunde nehmen einen erheblichen Teil ihrer Umwelt über Gerüche wahr. Der Geruch einer läufigen Hündin kann insbesondere für intakte Rüden hochinteressant sein.

Das Ziel unseres Trainings ist deshalb nicht, dass ein Rüde eine läufige Hündin überhaupt nicht wahrnimmt.

Entscheidend ist vielmehr, was der Hund trotz dieses Reizes noch leisten kann.

Kann er weiterhin mit seinem Menschen kommunizieren? Kann er eine bekannte Aufgabe ausführen? Kann er suchen oder anzeigen? Kann er warten? Und schafft er es, seine Aufmerksamkeit nach einer Ablenkung wieder auf seine Aufgabe zu richten?

Genau diese Fähigkeiten entstehen nicht dadurch, dass wir den entsprechenden Reiz konsequent vermeiden.

Ein Hund muss nicht lernen, Ablenkungen nicht wahrzunehmen. Er muss lernen, trotz Ablenkungen arbeitsfähig zu bleiben.

Warum sind läufige Hündinnen im Spürhundetraining besonders relevant?

Für einen Spürhund besteht die reale Suchumgebung aus unzähligen Gerüchen.

Wir können uns später nicht aussuchen, welche Hunde zuvor durch einen Raum gelaufen sind, welche Menschen dort waren oder welche anderen interessanten Gerüche vorhanden sind.

Die Aufgabe eines gut ausgebildeten Spürhundes besteht gerade darin, seinen trainierten Zielgeruch auch unter Ablenkung zuverlässig zu bearbeiten.

Deshalb trainieren wir beispielsweise unterschiedliche Umgebungen, Untergründe, Höhen, Fremdgerüche und andere Ablenkungen.

Der Geruch einer läufigen Hündin ist aus dieser Perspektive ein weiterer Umweltreiz, mit dem ein Hund lernen muss umzugehen.

Wer diesen Reiz während der gesamten Ausbildung vermeidet, verschiebt die Herausforderung lediglich auf einen späteren Zeitpunkt.

Warum ist das auch für Rettungshunde wichtig?

Noch deutlicher wird dieser Gedanke in der Rettungshundearbeit.

Bei einer realen Suche lässt sich die Umgebung nicht kontrollieren. Ein Rettungshund muss unabhängig davon arbeiten können, welche Menschen, Tiere und Gerüche sich zuvor im Suchgebiet befunden haben.

Natürlich bedeutet das nicht, dass jeder Hund von Beginn seiner Ausbildung an unter maximaler Ablenkung arbeiten muss.

Aber ein fertig ausgebildeter Arbeitshund sollte gelernt haben, mit unterschiedlichen Umweltreizen umzugehen und sich weiterhin seiner Aufgabe widmen zu können.

Deshalb gehören solche Ablenkungen für uns in einen systematischen Trainingsaufbau.

Wie trainiert man einen Rüden in Anwesenheit einer läufigen Hündin?

Eine läufige Hündin ins Training einzubeziehen bedeutet nicht, einen unerfahrenen Rüden direkt neben ihr abzulegen und zu erwarten, dass er völlig unbeeindruckt bleibt.

Wie bei jeder Ablenkung muss die Schwierigkeit zum aktuellen Ausbildungsstand des Hundes passen.

Ist der Reiz noch sehr schwierig, können wir beispielsweise zunächst den Abstand vergrößern, eine gut bekannte Aufgabe wählen, die Trainingsdauer reduzieren oder die Anforderungen an anderer Stelle vereinfachen.

Mit zunehmender Erfahrung kann die Schwierigkeit schrittweise gesteigert werden.

Dabei gilt:

Wir wollen den Hund fordern – aber nicht in einer Situation trainieren, in der er überhaupt nicht mehr lern- oder arbeitsfähig ist.

Zeigt ein Hund aufgrund der Situation massive Erregung oder kann eine bekannte Aufgabe überhaupt nicht mehr ausführen, ist nicht automatisch „mehr Konsequenz“ gefragt. Häufig muss zunächst das Trainingssetting angepasst werden.

Sollte eine läufige Hündin selbst weiter trainieren?

Auch aus Sicht der Hündin ist ein genereller Ausschluss nicht immer sinnvoll.

Eine Läufigkeit erstreckt sich über einen längeren Zeitraum. Wird eine Hündin währenddessen grundsätzlich von Training ausgeschlossen, können mehrere Trainingseinheiten ausfallen.

Gerade bei regelmäßig trainierenden Arbeits-, Spür- oder Rettungshunden kann das relevant sein.

Auch die Hündin selbst kann lernen, während ihrer Läufigkeit in Anwesenheit anderer Hunde konzentriert zu arbeiten.

Allerdings muss dabei immer der individuelle Hund betrachtet werden. Läufigkeit kann mit körperlichen und verhaltensbezogenen Veränderungen einhergehen. Manche Hündinnen arbeiten nahezu unverändert, andere zeigen deutliche Veränderungen.

Training während der Läufigkeit bedeutet deshalb nicht automatisch Training wie immer.

Anforderungen, Dauer und Intensität sollten an den jeweiligen Zustand der Hündin angepasst werden.

Welches Management braucht es bei läufigen Hündinnen im Hundetraining?

Die Integration einer läufigen Hündin bedeutet selbstverständlich nicht, auf Management zu verzichten.

Ganz im Gegenteil.

Unkontrollierter Kontakt zwischen Hündin und Rüden muss verhindert werden. Je nach Trainingssituation können größere Abstände, getrennte Wartebereiche oder eine angepasste Trainingsreihenfolge sinnvoll sein.

Auch Freilauf oder Sozialkontakte müssen entsprechend organisiert werden.

Das Ziel besteht schließlich darin, kontrollierte Trainingsmöglichkeiten zu schaffen – nicht unnötige Risiken einzugehen.

Gutes Management und gezieltes Training sind deshalb keine Gegensätze. Sie gehören zusammen.

Läufige Hündinnen ausschließen oder integrieren?

Für uns ist die Antwort klar:

Läufige Hündinnen sollten nicht grundsätzlich vom Hundetraining ausgeschlossen werden.

Gerade wenn wir Hunde für anspruchsvolle Aufgaben wie Spürhundearbeit oder Rettungshundearbeit ausbilden, gehört der Umgang mit starken Umweltreizen zur Ausbildung dazu.

Dabei geht es nicht darum, einen Hund absichtlich maximal abzulenken.

Es geht darum, kontrollierte Situationen zu schaffen, in denen er lernen kann.

Ein gut ausgebildeter Hund muss seine Umwelt nicht ignorieren. Er darf interessante Gerüche wahrnehmen und trotzdem lernen, seine Aufgabe zuverlässig auszuführen.

Genau das verstehen wir unter Training.

Häufige Fragen zu läufigen Hündinnen im Hundetraining

Darf eine läufige Hündin in die Hundeschule?

Grundsätzlich kann eine läufige Hündin am Hundetraining teilnehmen. Voraussetzung ist, dass die Hundeschule entsprechende Managementmaßnahmen trifft und unkontrollierte Kontakte verhindert. Die konkrete Regelung der jeweiligen Hundeschule kann natürlich davon abweichen.

Sollte ein Rüde mit einer läufigen Hündin trainieren?

Kontrolliertes Training in Anwesenheit einer läufigen Hündin kann sinnvoll sein. Die Schwierigkeit sollte dabei dem Ausbildungsstand des Rüden angepasst werden. Ziel ist nicht, dass er den Geruch ignoriert, sondern dass er lernt, trotz des Reizes ansprechbar und arbeitsfähig zu bleiben.

Ist eine läufige Hündin eine gute Ablenkung fürs Spürhundetraining?

Der Geruch einer läufigen Hündin kann einen starken Umweltreiz darstellen. Für entsprechend vorbereitete Hunde kann dieser Reiz deshalb gezielt in ein Ablenkungstraining integriert werden. Dabei sollte die Schwierigkeit kontrolliert aufgebaut werden.

Dürfen läufige Hündinnen im Rettungshundetraining teilnehmen?

Aus trainingsmethodischer Sicht spricht grundsätzlich nichts gegen eine Teilnahme, wenn die Situation entsprechend organisiert wird. Gerade Rettungshunde müssen lernen, auch unter vielfältigen Umwelt- und Geruchsreizen zuverlässig zu arbeiten.

Muss eine läufige Hündin während der Läufigkeit Trainingspause machen?

Nicht grundsätzlich. Entscheidend ist der individuelle Zustand der Hündin. Zeigt sie körperliche oder verhaltensbezogene Veränderungen, sollten Trainingsumfang und Anforderungen entsprechend angepasst werden.

Unser Fazit

Läufigkeit ist für uns kein automatischer Grund für einen Trainingsausschluss.

Sie ist eine Situation, mit der Hündinnen, Rüden und ihre Menschen lernen können umzugehen.

Besonders in der Ausbildung von Spür- und Rettungshunden wollen wir keine künstlich reizfreie Trainingswelt schaffen. Wir wollen Hunde darauf vorbereiten, auch unter realistischen Bedingungen zuverlässig arbeiten zu können.

Dazu braucht es einen strukturierten Trainingsaufbau, gutes Management und Anforderungen, die zum jeweiligen Hund passen.

Denn was später kein Problem sein soll, muss vorher trainiert werden.